Fontanes Sommerfrischen

Bernd W. Seiler

Fontanes Sommerfrischen

28,00 €
28,00 €

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Lieferzeit: 2-3 Werktage

Theodor Fontane, Berliner seit seiner Jugend, hielt es im Sommer in Berlin nicht aus. Der Landwehrkanal führte noch Abwässer und schickte seine Dünste bis hinauf in seine Wohnung in der Potsdamer Straße. Also musste er wegfahren, für zwei, drei Monate in die ,Sommerfrische', an Nord- und Ostsee, in den Harz, ins Riesengebirge, nach Bad Kissingen und Karlsbad oder auch nur in das städtische Umland. Hauptsache, es gab eine Luftveränderung.

Da er diese Reisen oft allein antrat, war nach Hause zu berichten - nicht von seinen schriftstellerischen Arbeiten, die er immer mitnahm, als vielmehr von dem, was ihm an den Urlaubsorten begegnete. Viele hundert Briefe kamen auf diese Weise zusammen, und sie lassen die Umstände des Reisens und Urlaubmachens unter den damaligen Verhältnissen so vollständig wahrnehmen wie kaum einmal sonst. Gegenüber der Familie an die gesellschaftsüblichen Schranken nicht gebunden, spricht er freiweg von allem, was ihn freut, wundert, ärgert. So lernen wir einen immer wachen, gescheiten, schließlich aber doch ,normalen' Zeitgenossen in ihm kennen. Seine Beobachtungen zu Land und Leuten sind bemerkenswert, seine Beschwerden über das Publikum in den Badeorten, die Aussagen zu den Quartierkosten und überhaupt die Schilderung all der Umstände, die der aufkommende Fremdenverkehr mit sich brachte. Und immer ist man angeregt zu vergleichen, was schon so ähnlich und was noch ziemlich anders war.

Aber auch die Bedeutung der Reisen für Fontanes Romanwerk wird sichtbar. Nicht nur übernimmt er ganze Geschichten, von denen er in den Urlaubsorten erfährt, er lernt auch Menschen der unterschiedlichsten Kreise kennen. Welche dieser Eindrücke er wohin übertragen hat, ist zwar meist nicht erkennbar, aber dass sich sein ganzer Horizont durch sie erweitert hat, steht außer Frage.

Das könnte Ihnen auch gefallen
Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex
Horst Evers
Der kategorische Imperativ ist keine Stellung...
Wie können wir den mannigfaltigen Tücken des Daseins begegnen? Horst Evers macht den Alltagstest und erzählt Geschichten mitten aus dem Hier und Jetzt: Er verbessert fremde Sprachen derart, dass man sie versteht, ohne sie zu sprechen; entwickelt Sportarten, deren Ausübung man vor dem eigenen Körper geheim halten kann;...
16,95 €
Franziska zu Reventlow
Kerstin Decker
Franziska zu Reventlow
Sie war der Stern der Münchner Boheme, Virtuosin der freien Liebe, Avantgardistin der Alleinerziehenden, Vorläuferin des modernen intellektuellen Prekariats und nicht zuletzt eine bis heute unterschätzte Schriftstellerin. Man hat in ihr die Urgroßmutter der sexuellen Revolution identifiziert, aber den Preis übersehen,...
26,00 €
Gefühlte Nähe
Harald Martenstein
Gefühlte Nähe
23 Männer und eine Frau Harald Martensteins Roman "Gefühlte Nähe" besticht durch eine genaue Beobachtung des Paarungsverhaltens im ausgehenden 20. Jahrhundert. Er beschreibt 23 Männer in archetypischen Situationen, die eines gemeinsam haben: dieselbe Frau; eine Frau, die wir nur als N. kennenlernen. An ihrem Liebesleben...
9,99 €
Hotel kann jeder
Andreas Austilat
Hotel kann jeder
Willkommen im Vorzelt zur Hölle „Meine Frau stammt aus einer Camper-Familie. Ich wusste nicht, was das bedeutet. Mein Gott, ich war verliebt, da hört man nicht immer so genau hin. Die Fotos von diesem zahnsteinfarbenen Ei, das ihr Vater hinter dem Auto herzog und in dem sie die Sommer ihrer Kindheit verbracht hat, hielt ich...
10,00 €
Bewertungen
Schreiben Sie die erste Bewertung.
Bewertung schreiben