Tagesspiegel WERKREIHE KUNST
HEIN SPELLMANN: »BERLINER FASSADEN«
Im Rahmen der Tagesspiegel WERKREIHE KUNST möchten wir Ihnen in regelmäßigen Abständen Künstler:innen vorstellen, die auf unsere Einladung hin ihren individuellen künstlerischen Impuls in die Hauptstadt senden. Mit dieser Reihe geben wir Ihnen die Möglichkeit, eine eigene Kunstsammlung aufzubauen – und die Protagonist:innen der zeitgenössischen Kunst bei Vernissage und Künstlergespräch unmittelbar zu erleben.
Für die neueste Werkreihe konnten wir den Berliner Künstler Hein Spellmann gewinnen. Weithin bekannt ist er für seine architektonischen Foto-Objekte, die Fassaden städtischer Gebäude zeigen. Ihr besonderer Reiz liegt in der kongenialen Verbindung verschiedener Materialien, mit der Hein Spellmann die fotografischen Motive in plastische Wandarbeiten verwandelt.
Nach einem Studium an der Kunsthochschule in Braunschweig zog Hein Spellmann nach Berlin, wo er seither lebt und arbeitet. Seine Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt und befinden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen. Bereits seit 1994 wird der Künstler von der Galerie Stefan Rasche in Berlin vertreten.
Eben dort findet auch eine begleitende Sonderausstellung statt: Vom 14. November bis zum 12. Dezember 2026 sind alle „Berliner Fassaden“ von Hein Spellmann in der Galerie im Original zu sehen. Zu einem Besuch sind Sie herzlich eingeladen!
GALERIE STEFAN RASCHE
Linienstr. 148, 10115 Berlin
stefanrasche.com
Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-18 Uhr, Sa 12-18 Uhr
Künstlerportrait
Hein Spellmann baut seine eigene Stadt: Aus fotografischen Ansichten ganz verschiedener Architekturen fertigt der Künstler plastische Wandobjekte, denen er eine einzigartige Gestalt verleiht. Dabei beginnt der Prozess zu Fuß, auf der Straße: Bei ausgedehnten Stadterkundungen mit der Kamera nimmt er Ausschnitte von Fassaden auf, um sie dann in seinem Berliner Atelier nach einem speziellen Bauplan zu verwandeln, wie er ihn schon vor vielen Jahren für seine Arbeiten entwickelt hat.
Hierfür erstellt er zunächst einen Holzrahmen, den er mit Schaumstoff überspannt, darauf wird die Fotografie kaschiert und mit einer Schicht aus transparentem Silikon versiegelt, sodass die unterschiedlichen Materialien zu einer Einheit zusammenfinden. Diese besondere Konstruktion verleiht seinen Objekten ein hohes Maß an Individualität und Wiedererkennbarkeit – und ermöglicht es dem Künstler zugleich, immer wieder neue Motive zu verarbeiten.
Da gibt es zum Beispiel Wohn- und Bürohäuser, Hotels und Ladenlokale, die er in diversen Städten Europas fotografiert, zuletzt auch in Tokyo. Für die Tagesspiegel-Werkreihe hat sich Hein Spellmann hingegen ganz auf Berlin und seine mannigfaltige Architektur fokussiert: Berühmte Bauwerke der Nachkriegsmoderne, darunter das Schwedenhaus im Hansaviertel oder die Amerika-Gedenkbibliothek, tauchen hier ebenso auf wie Neubauten aller Art, aber auch kaum bekannte, oft übersehene Gebäude aus etlichen Bezirken der Stadt, die den Künstler vor allem aufgrund ihrer baulichen Besonderheiten reizen.
So sind äußerst detailreiche Fassaden zu entdecken, mit bepflanzten Balkonen oder dekorierten Fenstern, während andere Arbeiten weitgehend abstrakte Strukturen aus einem Rapport purer Farben und Formen zeigen. Und immer wieder hält er Spiegelungen auf den Scheiben fest, etwa von Wolkenhimmeln oder gegenüberliegenden Häusern, sodass auch das städtebauliche Umfeld in den Blick gerät.
Je nach Motiv wählt er für seine Bildobjekte unterschiedliche Dimensionen, denn neben den zahlreichen kleineren Arbeiten mit ihrem genormten Maß von 20 x 25 cm entstehen auch deutlich größere Werke im Hoch- oder Querformat. Für alle Arbeiten gilt indessen, dass es sich um handgefertigte Unikate handelt, d.h. jedes Objekt ist ein einzigartiges Stück Berliner Architektur und Gegenwartskunst!